Volker Eissele

 

Dirigieren heißt für mich: Gemeinsam mit dem Orchester Emotionen durch Klang zu gestalten.

  • Musikalischer Flow

  • Gemeinschaftserlebnis

  • Emotionen entfachen

  • Klang gestalten

 

 

 

Mein Ziel: Nicht nur Noten spielen, sondern den musikalischen Inhalt vermitteln und mit dem Orchester umsetzen.

Ich liebe sowohl eine kraftvolle, rhythmische Tonsprache als auch ein ausgeprägtes, harmonisches cantabile.

Von der Ausgestaltung dieser Kontraste lebt Musik.

Mein Orchesterziel ist, einen musikalisch ausgewogenen Klangkörper zu entwickeln, der klanglich kompakt und gleichzeitig sehr transparent agieren kann.

Abwechslungsreiche Programme werden mit einem thematischen, roten Faden versehen. Die Musiker und Zuhörer werden entlang dieses Faden geführt und immer wieder durch das Verlassen von ausgetretenen musikalischen Pfaden, die neue Impulse und Klänge mit sich bringen, überrascht.

 



Musik: live werden aus vielen Faktoren einzigartige Hörmomente

  • Jedes Instrument hat seinen Klang, seine Klangfarben

  • Jeder Instrumentalist ist eine individuelle Persönlichkeit.

  • Jeder Komponist hat beim Niederschreiben seines Werkes seine Vorstellung.

  • Jeder Dirigent basiert die Werkerarbeitung auf seiner Interpretation.

  • Jeder Orchesterklang entsteht aus dem Zusammenwirken all dieser Faktoren.

  • Jeder Zuhörer empfindet diesen Klang wieder entsprechend seiner persönlichen Verfassung und in der entsprechenden (Raum-)Akustik individuell unterschiedlich.

Diese einzigartigen Hörmomente werden zu einem gemeinschaftlichen Hörerlebnis verbunden.  Die "vorbeifliegende Kunst" der Musik sollte einen "bleibenden Eindruck" schaffen. Mehr noch: Wenn das Orchester in den musikalischen Flow kommt und sich dies emotional auf das Publikum überträgt kann sich keiner der Magie des musikalischen Augenblickes, also des Hörmomentes, entziehen.

 

Orchestermusik: ein gemeinschaftliches Kunstwerk.

Musik wird von vielen Menschen als gemeinschaftliches Kunstwerk geschaffen und gehört.

Mit der unterschiedlichen Besetzung eines Orchesters kann eine sehr breite klangliche Vielfalt umgesetzt werden. 

Natürlich sollte sowohl dem Spielvermögen bzw. der Besetzung gerecht werdende, als auch dem Anlass entsprechende und qualitativ gute Literatur  aufgelegt werden. 

Eine rein "titelbasierte Effekthascherei" im Sinne möglichst viel "Bekanntes" wird weder der Musik noch den Orchestern gerecht.

  

 

Interpretation: etwas ausdrücken oder Noten spielen?

Sehr häufig wird zwischen E- und U-Musik unterschieden. Bei vielen Musikern ist dies auch mit einer unterschiedlichen Einstellung zur Aufführungsqualität verbunden. Eigentlich schade. Ich liebe es, ein konzertantes Werk "zum Klingen" zu bringen und freue mich an jeder lebendig und intensiv interpretierten Unterhaltungsmusik oder Polka. Sowohl bei der E- als auch der U-Musik sollte die Musizierfreude und der damit verbundenen Musik-Interpretation auf das Publikum überspringen..

Die Nähe der Musik zur Sprache und deren Betonung oder Sprach-Rhythmus zeigt ein kleiner Sprachexkurs. Nehmen wir den Satz: Dieser Bach rauscht laut. Nun sprechen wir vier Mal diesen Satz und betonen jedes Mal ein anderes Wort. Dabei ändert sich der Sinn und Fokus des Satzes. Aus dem abstrakten Text entsteht Kontext.

  • Dieser Bach rauscht laut.

  • Dieser Bach rauscht laut.

  • Dieser Bach rauscht laut.

  • Dieser Bach rauscht laut.

Und hinzu kommt: Laut ist nicht gleich laut! Es ist es doch ein großer Unterschied, ob dieser Bach laut rauscht weil viele Steine im Bachbett liegen oder weil er besonders viel Wasser führt oder besonders steil ausgerichtet ist oder gar 100m tiefer als Wasserfall aufschlägt. Noch nicht aufgefallen ? Dann einfach in die Natur reinhören. 

Analoges gilt in der Musik - der gleiche Notentext wird mit anderer Betonung, Ausgestaltung, harmonischem Umfeld, akustischer Raumwirkung völlig anders klingen und muss im Gesamtkontext betrachtet werden.

 

Gemeinschaftskonzert Japan

 

 

Text und Sprache sind vergleichbar mit Noten und Musik. Sprache beginnt, wo Text endet. Musik(gestaltung) beginnt, wo die Notenschrift endet.

"Imagination" und die Vermittlung von bildhaften Assoziationen ist für mich eine wichtige Basis in der Orchesterarbeit. Wenn die Musiker ein gemeinsames Bild und Empfinden für die Musik entwickeln, dann beginnt die Musik in der Musikergemeinschaft lebendig zu werden, dann beginnt der musikalische Flow.

Es ist faszinierend, mit anderen Menschen gemeinsam dieses Spannungspotential musikalisch darzustellen und sich dafür persönlich einzubringen. Musik überwindet Sprach- und Kulturgrenzen und bringt Menschen zusammen.